Netzwerk berufliche Teilhabe – arbeitsmarktnah und innovativ: Besser BBW# – Perspektiven in der beruflichen Rehabilitation
Forumsbeitrag | SightCity 2026 | aufgezeichnet am 29. Mai 2026
Eine Veranstaltung der Berufsbildungswerke Chemnitz, Soest und Stuttgart
Es sprechen: Franziska von Geldern (BBW Stuttgart, Nikolauspflege), Désirée Reiß (LWL-Berufsbildungswerk Soest), Christopher Mevius und Matthias Keusen (SFZ Förderzentrum Chemnitz), Gast: Fabio Bergfort
Begrüßung: Drei Berufsbildungswerke, eine Quali-Gemeinschaft (00:00:00)
Von 51 Berufsbildungswerken in Deutschland sind nur drei auf Blindheit und Sehbehinderung spezialisiert. Sie arbeiten als Quali-Gemeinschaft zusammen:
Gemeinsame Angebote: Arbeitserprobung und Eignungsabklärung, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Ausbildungen bis zum Kammerabschluss, verzahnte Ausbildung, Wohnbereich
Chemnitz und Stuttgart haben außerdem Angebote für Menschen mit Hörsehbehinderung
Gemeinsamer Auditkatalog mit Qualitätsstandards, unter anderem zu Sehen und visuellen Bedingungen, lebenspraktischen Fertigkeiten, Hilfsmitteln, Selbst- und Sozialkompetenz, Diagnostik und Methodik
Die drei Häuser auditieren sich gegenseitig, um gemeinsam bei Digitalisierung, KI und neuer Technik am Ball zu bleiben
Soest: Die blindentechnische Grundausbildung (00:06:30)
Die BTG am LWL-Berufsbildungswerk Soest richtet sich an Menschen in der Erblindungsphase, an Späterblindete und an Geburtsblinde.
Kern: blindentechnisches Arbeiten am PC (Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Webbrowser)
Brailleschrift bis Kurzschrift und Computerbraille, Zehnfingertastschreiben
Orientierung und Mobilität, Ziel ist der eigenständige Weg mit Bus und Bahn
Lebenspraktische Fertigkeiten im Wohnbereich: Wäsche, Kochen, Umgang mit Geld
Betriebliche Praktika für den Übergang in eine Anschlussperspektive
Dauer: zwölf Monate, in der Regel ohne Verlängerung durch den Kostenträger
Video: Fabio Bergforts Weg zurück in den Beruf (00:13:15)
Fabio Bergfort ist nach einer Operation erblindet und hat über einen Messestand auf der SightCity zum BBW Soest gefunden. Im Film erzählt er von der BTG, von seiner Braillezeile und von seiner Rückkehr zur Feuerwehr, jetzt im Bereich Technik. Seine Haltung: „Ich muss meine Grenzen austesten – man muss es probieren, man muss sich trauen.“
Fabio Bergfort live auf dem Podium (00:17:04)
Fabio Bergfort ist spontan auf die Bühne gekommen. Er hat inzwischen eine Blindenführhündin, ein eigenes Büro in der Technikabteilung der Feuerwehr – und für die Hündin eine Hundewiese.
Stuttgart: Berufliche Reha, Umschulung und Wiedereinstieg (00:20:54)
Das Berufsbildungswerk Stuttgart der Nikolauspflege begleitet Menschen, die ihren bisherigen Beruf wegen einer Sehbehinderung nicht mehr ausüben können.
Am Anfang stehen eine fundierte Diagnostik und Beratung, auch durch den „Dschungel“ von Arbeitsagentur und Rentenversicherung
Assessment und Arbeitserprobung von drei Tagen bis drei Wochen
Umschulungen in Wirtschaft und Verwaltung, IT, Metall, Garten, Küche und Hauswirtschaft
Hilfsmittelerprobung im herstellerunabhängigen Reha-Fachgeschäft
Maßnahmen wie FIT (Förderung, Integration und Teilhabe), Reha-Vorbereitungslehrgang, EDV-Schulungen am Arbeitsplatz und individuelle Anpassungsqualifikation
UBSm (Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen modular): Unterstützung auch am Heimatort
Abgestufte Wohnkonzepte und ein multiprofessionelles Team mit Case-Management, Orthoptik, psychologischem und neuropsychologischem Dienst
Qualifizierte Begleitung auch für psychisch belastete Menschen
Chemnitz: Teilhabe leben (00:32:54)
Christopher Mevius vom SFZ Förderzentrum Chemnitz beschreibt die Arbeit als Beziehungsarbeit: „Wir machen nicht bloß Bildung, sondern wir machen Leben.“ Der Einstieg läuft immer über das Case-Management. Freizeit ist für ihn ein zentraler Teil der Bildung, gerade weil die digitale Welt auch zur Vereinsamung führen kann.
Freizeit als Lernort: Segeln, Tandem, Theater (00:37:24)
Matthias Keusen stellt das Motto vor: „Wir lassen uns nicht von Problemen definieren, sondern von den Lösungen, die wir gemeinsam entwickeln.“ Drei Beispiele zeigt er:
Jährlicher Segelurlaub mit blinden und sehenden Menschen an Bord
Tandemtour über Himmelfahrt
Ein inklusives Stationentheater mit der Stadt Chemnitz, bei dem alle auch Kostüme und Bühnenbild gestalten
Außerdem gibt es Blindenfußball, Goalball und Sport live mit Audiodeskription.
Fragen: Begleitung nach dem Berufseinstieg (00:43:00)
Ein Arbeitgeber fragt, ob Menschen auch nach der Einstellung weiter begleitet werden, besonders bei psychischen Belastungen. Die Antworten:
Nach dem Berufseinstieg gibt es mindestens sechs Monate Nachbetreuung, wenn die Person einverstanden ist
Ehemalige Teilnehmende können sich jederzeit wieder melden
Es braucht oft Beharrlichkeit der Betroffenen, ein tragendes Umfeld und einen Betrieb mit langem Atem – das Sozialleistungssystem allein reicht nicht
Weitere Informati...
Netzwerk berufliche Teilhabe – arbeitsmarktnah und innovativ: Besser BBW# – Perspektiven in der beruflichen Rehabilitation
Forumsbeitrag | SightCity 2026 | aufgezeichnet am 29. Mai 2026
Eine Veranstaltung der Berufsbildungswerke Chemnitz, Soest und Stuttgart
Es sprechen: Franziska von Geldern (BBW Stuttgart, Nikolauspflege), Désirée Reiß (LWL-Berufsbildungswerk Soest), Christopher Mevius und Matthias Keusen (SFZ Förderzentrum Chemnitz), Gast: Fabio Bergfort
Begrüßung: Drei Berufsbildungswerke, eine Quali-Gemeinschaft (00:00:00)
Von 51 Berufsbildungswerken in Deutschland sind nur drei auf Blindheit und Sehbehinderung spezialisiert. Sie arbeiten als Quali-Gemeinschaft zusammen:
Gemeinsame Angebote: Arbeitserprobung und Eignungsabklärung, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Ausbildungen bis zum Kammerabschluss, verzahnte Ausbildung, Wohnbereich
Chemnitz und Stuttgart haben außerdem Angebote für Menschen mit Hörsehbehinderung
Gemeinsamer Auditkatalog mit Qualitätsstandards, unter anderem zu Sehen und visuellen Bedingungen, lebenspraktischen Fertigkeiten, Hilfsmitteln, Selbst- und Sozialkompetenz, Diagnostik und Methodik
Die drei Häuser auditieren sich gegenseitig, um gemeinsam bei Digitalisierung, KI und neuer Technik am Ball zu bleiben
Soest: Die blindentechnische Grundausbildung (00:06:30)
Die BTG am LWL-Berufsbildungswerk Soest richtet sich an Menschen in der Erblindungsphase, an Späterblindete und an Geburtsblinde.
Kern: blindentechnisches Arbeiten am PC (Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Webbrowser)
Brailleschrift bis Kurzschrift und Computerbraille, Zehnfingertastschreiben
Orientierung und Mobilität, Ziel ist der eigenständige Weg mit Bus und Bahn
Lebenspraktische Fertigkeiten im Wohnbereich: Wäsche, Kochen, Umgang mit Geld
Betriebliche Praktika für den Übergang in eine Anschlussperspektive
Dauer: zwölf Monate, in der Regel ohne Verlängerung durch den Kostenträger
Video: Fabio Bergforts Weg zurück in den Beruf (00:13:15)
Fabio Bergfort ist nach einer Operation erblindet und hat über einen Messestand auf der SightCity zum BBW Soest gefunden. Im Film erzählt er von der BTG, von seiner Braillezeile und von seiner Rückkehr zur Feuerwehr, jetzt im Bereich Technik. Seine Haltung: „Ich muss meine Grenzen austesten – man muss es probieren, man muss sich trauen.“
Fabio Bergfort live auf dem Podium (00:17:04)
Fabio Bergfort ist spontan auf die Bühne gekommen. Er hat inzwischen eine Blindenführhündin, ein eigenes Büro in der Technikabteilung der Feuerwehr – und für die Hündin eine Hundewiese.
Stuttgart: Berufliche Reha, Umschulung und Wiedereinstieg (00:20:54)
Das Berufsbildungswerk Stuttgart der Nikolauspflege begleitet Menschen, die ihren bisherigen Beruf wegen einer Sehbehinderung nicht mehr ausüben können.
Am Anfang stehen eine fundierte Diagnostik und Beratung, auch durch den „Dschungel“ von Arbeitsagentur und Rentenversicherung
Assessment und Arbeitserprobung von drei Tagen bis drei Wochen
Umschulungen in Wirtschaft und Verwaltung, IT, Metall, Garten, Küche und Hauswirtschaft
Hilfsmittelerprobung im herstellerunabhängigen Reha-Fachgeschäft
Maßnahmen wie FIT (Förderung, Integration und Teilhabe), Reha-Vorbereitungslehrgang, EDV-Schulungen am Arbeitsplatz und individuelle Anpassungsqualifikation
UBSm (Unterstützung blinder und sehbehinderter Menschen modular): Unterstützung auch am Heimatort
Abgestufte Wohnkonzepte und ein multiprofessionelles Team mit Case-Management, Orthoptik, psychologischem und neuropsychologischem Dienst
Qualifizierte Begleitung auch für psychisch belastete Menschen
Chemnitz: Teilhabe leben (00:32:54)
Christopher Mevius vom SFZ Förderzentrum Chemnitz beschreibt die Arbeit als Beziehungsarbeit: „Wir machen nicht bloß Bildung, sondern wir machen Leben.“ Der Einstieg läuft immer über das Case-Management. Freizeit ist für ihn ein zentraler Teil der Bildung, gerade weil die digitale Welt auch zur Vereinsamung führen kann.
Freizeit als Lernort: Segeln, Tandem, Theater (00:37:24)
Matthias Keusen stellt das Motto vor: „Wir lassen uns nicht von Problemen definieren, sondern von den Lösungen, die wir gemeinsam entwickeln.“ Drei Beispiele zeigt er:
Jährlicher Segelurlaub mit blinden und sehenden Menschen an Bord
Tandemtour über Himmelfahrt
Ein inklusives Stationentheater mit der Stadt Chemnitz, bei dem alle auch Kostüme und Bühnenbild gestalten
Außerdem gibt es Blindenfußball, Goalball und Sport live mit Audiodeskription.
Fragen: Begleitung nach dem Berufseinstieg (00:43:00)
Ein Arbeitgeber fragt, ob Menschen auch nach der Einstellung weiter begleitet werden, besonders bei psychischen Belastungen. Die Antworten:
Nach dem Berufseinstieg gibt es mindestens sechs Monate Nachbetreuung, wenn die Person einverstanden ist
Ehemalige Teilnehmende können sich jederzeit wieder melden
Es braucht oft Beharrlichkeit der Betroffenen, ein tragendes Umfeld und einen Betrieb mit langem Atem – das Sozialleistungssystem allein reicht nicht
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